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5. und 6. Juni 2019  Tagung  Landau

Medien ll Kontrolle

Südwestdeutsche Medientage 2019

Kontrolle und Kontrollversuche spielen im Zusammenhang mit Medien schon seit den ersten gedruckten Flugblättern eine zentrale Rolle – auch in Demokratien: Als oftmals proklamierte „Vierte Gewalt“ wachen Zeitungen, Fernsehen oder Hörfunk nicht nur über die drei anderen Säulen demokratischer Staaten, sondern auch über weitere mächtige Akteure im öffentlichen Leben, um Verfehlungen, systemische Schwächen oder Korruption ans Tageslicht zu bringen. Zunehmend rückt jedoch wieder eine weitere Facette in den Vordergrund: Wer kontrolliert eigentlich „die Medien“? Diese Frage stellen nicht nur Populisten in den USA, der Türkei und in Deutschland – wiederholt werden Medienschaffende auch von seriöserer Seite kritisch beurteilt, etwa in der Berichterstattung über Christian Wulff, Mesut Özil oder Flüchtlinge, um nur drei Beispiele der jüngeren Vergangenheit zu erwähnen. Zwar gibt es Regeln, Vereinbarungen und Codices, worüber Journalist*innen berichten und auf welche Weise. Deren Einhaltung, Erweiterung und Überwachung gestaltet sich in Zeiten beschleunigter Nachrichtenzyklen, von Bots, Algorithmen und Social Media-Plattformen jedoch zunehmend schwieriger. Deshalb stellt sich die Frage, wer heute überhaupt geeignete Kenntnisse und Kompetenzen mitbringt, um die notwendige Kontrolle über Medien auszuüben ohne Zensur zu üben oder die Pressefreiheit einzuschränken. Lange Zeit oblag diese Aufgabe fast ausschließlich der Politik mit ihren gewählten Repräsentant*innen. Mit legislativen Werkzeugen wie etwa dem Medienstaatsvertrag oder Aufsichtsgremien wie den Rundfunkräten beeinflusst sie bis heute zentrale Entwicklungen der Medienlandschaft. Doch genügt diese noch aus vordigitaler Zeit angelegte Regulierung angesichts von Hate Speech, extremistischer und populistischer Propaganda, immer schneller und weitgehend autonom operierender Mediengiganten wie Facebook im Netz, Echtzeitjournalismus und aufstrebender Künstlicher Intelligenz? Braucht es aufgrund solcher Innovationen und Herausforderungen raschere und direktere Einmischungs- und Kontrollinstrumente der Gesellschaft, um Journalismus, Medien, und letztlich auch die Demokratie zu schützen? Muss es zur eigenständigen Aufgabe von Bürger*innen werden, sich durch Meldefunktionen, Engagement oder öffentliche Meinungsäußerungen stärker in die Gestaltung des medialen Raums einzumischen? Oder ist das Mediensystem im 21. Jahrhundert so komplex und beschleunigt, dass sich eigentlich nur noch die Medien selbst durch investigativen Medienjournalismus, multilaterale Abkommen und Selbstverpflichtungen effektiv Leitplanken setzen können?
Diesen und weiteren Fragen widmen sich die 4. Südwestdeutschen Medientage auf dem Hambacher Schloss und in Landau.
In Kooperation mit: SWR, SR, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Universität Koblenz-Landau, Universität des Saarlandes, Deutscher Journalistenverband Rheinland Pfalz

VeranstaltungsortProtestantisches Bildungszentrum Butenschoen-Haus, Landau
AnsprechpartnerFelix Kirschbacher
InformationsmaterialProgramm folgt